29. Oktober 2023 war der SCHLUSSPUNKT der wildi bistro-schuppe Zeit

Neue Situation

Der wildi bistro-schuppe soll weiterhin als spezielles Kleinod an der Dampfbahnstrecke und angrenzend ans Textilmuseum erhalten bleiben.

Nach 23 Jahren Aufbau und intensivem Betrieb können wir den wildi bistro-schuppe nicht mehr im gewohnten Stil weiterführen (Ü70).

Erlebnis-Schuppen

Der erste Eindruck von der Station Neuthal, versteckt neben dem Gleis….:
Ringsum eine blumige Wildnis, passend zum Namen «wildi bistro-schuppe». Beginnend beim Parkplatz, auf dem Weg zum Bistro, auf und vor der Rampe des Güterschuppens sowie im wilden Naturgarten. Den gleichen Eindruck erhält man auch aus der Sicht des Museumszuges des Dampfbahn Vereins Zürcher Oberland DVZO, der hier einen Halt macht.

Im über 30 Plätze bietenden «Gartenrestaurant» sitzend nimmt man den unscheinbaren Güterschuppen aus dem Jahr 1901 wahr. Erst «der Drang auf die Toiletten» eröffnet eine neue Perspektive: Durch den ehemaligen Wartsaal – die heutige Küche mit zwei Sitzplätzen an der Bar – führt eine kleine Treppe ins eigentliche Bistro und hinterlässt regelmässig ein überraschendes Staunen, begleitet von Aaaaa und Oooo-Rufen…

Die Jugendstil-Einrichtung wird umrahmt von einem Sammelsurium mit Bezug zur Eisenbahn:
Originalplakate der Üerikon Bauma Bahn ÜBB, der Wetzikon-Meilen Bahn WMB und der Uetliberg Bahn UeBB, Original-Aktie der WMB, unzähligen Beschriftungsschildern, ein grosses Wandbild der ÜBB-Dampflok Ed 3/3 Nr 401 (heute im Besitz des DVZO, betriebstüchtig) und daneben das Nummern- und Herstellerschild. Neun tickende alte Wanduhren – unterschiedliche Zeiten anzeigend – vermitteln das Gefühl « Dem Glücklichen schlägt keine Stunde».

Alte Messinstrumente, viele Eisenbahnbücher zum Schmökern, Bilder und Blecheisenbahnen ergänzen das Ganze. Links und rechts von der Ausgangstüre zu den Toiletten «trohnen» zwei grosse Schubladenschränke für die «Wundernasen… und Digestif-Freunde». Ein über 100jähriges spielbereites Klavier wartet auf virtuose Gäste und eine Eisenbahn- und Frauenhutsammlung verleitet auch zum Anprobieren…

Über uns

Wie es dazu kam

Wir beide haben langjährige Erfahrung in der Freiwilligenarbeit: Maja: 6 Jahre Leitung Kafiträff und 10 Jahre Leitung Frauenträff im Kirchgemeindehaus Bäretswil, 10 Jahre Leitung DVZO-Verkaufswagen. Markus: Aufbau und Leitung “Chez Yeti”, einer Stollenbeiz der Fliegertruppen; 10 Jahre DVZO-Präsidium, 5 Jahre Chef Büffetwagen des DVZO, 13 Jahre Präsidium Kirchenpflege.
Als zwei Alphatiere voller Ideen störten wir uns vielfach an den zum Teil mühsamen Entscheidungsprozessen, die jeweils viel Überzeugungsarbeit erforderten, um etwas zu erreichen.

Während dem Balkankrieg (1991-98) diente der von uns gegründete Verein «Life Center Kroatien» als Plattform für Sammelaktionen inklusive Transporte, Schulung und Verteilung vor Ort.
Der Güterschuppen war dabei ein idealer Lagerplatz und ab seiner Rampe konnten die Sattelschlepper mühelos beladen werden.

Der nun leere Güterschuppen sollte nach Majas Ideen einer neuen Nutzung zugeführt werden, nämlich einem Bistro anstatt Lagerschuppen. Obwohl uns viele davon abrieten, fanden wir die Möglichkeit, eine spannende Heimarbeit und die Kindererziehung zu verbinden, herausfordernd.
Das Bistro-Projekt reifte in Majas Kopf….

Aber Markus entpuppte sich als Eisenbahner eher als Bremser denn als Unterstützer. Schliesslich stellte Maja ihren Mann ultimativ vor die Entscheidung «Bistro-Projekt JETZT» oder «Arbeit extern». Das bewog Markus, die Bremsen zu lösen und der Bistrozug nahm zunehmend Fahrt auf.
Getreu dem biblischen Motto “Nutzet eure Talente” entschieden wir uns als Quereinsteiger (Maja: Holzbautechnikerin, Markus: Elektroingenieur) einen Probebetrieb aufzunehmen.
Eigene Ideen umsetzen, mit den Gästen als Gradmesser und kurze Entscheidungswege, das spornte uns weiterzumachen.

Nach einer Generalreinigung richteten wir im Güterschuppen das Bistro ein. Während dem Probebetrieb (2001-03), an einzelnen Dampfbahntagen sowie mit Gesellschaften, wurde noch in der Wohnküche produziert. Ziel war zu prüfen, wie und ob sich überhaupt unsere Idee in der Praxis umsetzen liess. Das Echo war durchwegs positiv und aufmunternd und die zusätzliche erfolgreiche Bewältigung eines Apéro Riche für 120 Personen sowie für 50 Personen auf der Kyburg bestärkten uns, das Bistro-Projekt definitiv umzusetzen.

Gesagt – getan, aber Halt, da hat auch noch der Amtsschimmel gewiehert ….

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Unser Projekt und die vorgesehene Umnutzung des Güterschuppens im übrigen Gemeindegebiet rief den Kanton auf den Platz: Die kantonale Raumplanung, Denkmalpflege, Natur- und Heimatschutz, das AWEL der örtliche Bausekretär hielten eine denkwürdige Sitzung auf unsere Kosten bei uns ab.
Das konnten wir gut verschmerzen, war doch das Resultat durchaus in unserem Sinne!

Mit dem Eintrag des «wildi bistro-schuppe» ins Handelsregister und dem Segen der Kantonalen Gesundheitsdirektion zu der geplanten offenen Küche, zu den Toiletten in einem Güterwagen sowie zum Bistrobetrieb, war der Weg frei für die professionelle Umsetzung.

Im Sommer 2003 wurde im ehemaligen Wartsaal der Boden saniert, Wasser und Abwasser sowie die Kanalisation für die zukünftige Küche erstellt. Nach dem Einbau einer Bodenheizung erfolgte die Fliesenverlegung für Boden und Wände, Erneuerung der Decke und Beleuchtung sowie zweier Brandschutztüren. Zusätzlich ermöglichten zwei Mauerdurchbrüche den Zugang zur Wohnung und zum Güterschuppen (neu nun «bistro-schuppe»). Ebenfalls wurde das Dach des Stationgebäudes und des Güterschuppens erneuert und isoliert.
Parallel zu diesen Aufgaben und zum Probebetrieb machten wir uns an die Küchenplanung – eine neue Herausforderung besonderer Art. Mit viel Enthusiasmus machten wir uns an die Arbeit und anschliessend an die Evaluation der erforderlichen Geräte.

Im Winter 2003/04 suchten wir nach einem geeigneten Güterwagen, um darin die Toiletten und ein Lebensmittellager einzurichten. Den Wagen fanden wir in Weinfelden bei der Mittel-Thurgau Bahn. Auf abenteuerliche Weise gelangte er schliesslich nach Bäretswil. Nun mussten aber zuerst noch 8m Schienen sachgemäss verlegt werden. Diese Aufgabe wurde von einem «Sonderkommando der SZU» mit Bravour erledigt. Nun konnte der Wagen mit einem Strassentransporter von der Station Bäretswil ins Neuthal überführt werden. Das eingespielte Team der Firma Kindlimann brachte das Fahrzeug schliesslich hinter den Güterschuppen auf die frisch verlegten Schienen.
Anschliessend wurde der Güterwagen ausgeräumt, isoliert, mit Wasser-Abwasser versorgt und die erforderlichen elektrischen Installationen vorgenommen.

Im Frühling 2004 wurde die gesamte Kücheneinrichtung beschafft und durch uns beide eingebaut.
Gas- und Sanitäranschlüsse erfolgten durch versierte Handwerker. Geschirr, Besteck und Gläser kaufen und plazieren…Menü- und Getränkekarten sowie eine Homepage erstellen brachten Abwechslung in den Alltag.
Die Mitte Juni geplante offizielle Eröffnung musste leider um 2 Monate verschoben werden. Obwohl uns der TCS zusagte, vorübergehend ihren Parkplatz benutzen zu können, mussten wir den Nachweis von eigenen Parkplätzen vor der Eröffnung erbringen: Land vom DVZO pachten, Bagger auffahren, Platten legen, Markierungen anbringen, fertig. Anfangs August 2004 erfolgte die Schlussabnahme und die Betriebsbewilligung wurde erteilt, nun konnte das Bistro offiziell eröffnet werden.

Es folgten viele Jahre mit einem intensiven Betrieb, vielen Herausforderungen und vor allem mit vielen zufriedenen Gästen. Dafür sind wir dankbar wie auch für die erfahrene tatkräftige Unterstützung durch unsere treuen Freunde.

In die Jahre gekommen (Maja 69 und Markus 76 Jahre) sind unsere Abnutzungserscheinungen zunehmend spürbarer geworden. Da wir die Zeichen der Zeit beachten wollen, werden wir somit 2023 zusammen mit Freunden das Bistro mit einem angepassten Angebot betreiben und Ende Oktober mit einem Fest den definitiven Schlusspunkt setzen. Wiederum getreu dem biblischen Wort «Alles hat seine Zeit».

Impressionen

wildi bistro-schuppe
Maja und Markus Wildi
Station Neuthal
Im Mülichram 1
8344 Bäretswil[